Kind vor Wasserhahn

Merkblatt Kanalspülung

Kundeninformation der Stadtwerke Schifferstadt

Thema: Kanalreinigung

Tag für Tag wird das Kanalnetz für den Transport des Abwassers rund um die Uhr beansprucht. Dabei ist der einwandfreie Abfluss des Abwassers für die Funktion des Kanalsystems von großer Bedeutung. Vor allem die unsachgemäße Entsorgung von Speiseresten, Windeln, Ölen und Papier führt zu Verengungen im Kanalnetz. Besonders problematisch sind Fette, die im Kanal abkühlen, sich an den Wänden festsetzen und dadurch langfristig das Kanalrohr verschließen können.

Damit das Kanalnetz vor solchen Ablagerungen geschützt wird, werden von den Stadtwerken Schifferstadt zwei Mal jährlich Kanalspülungen durchgeführt. Diese Reinigung erfolgt mit Hochdruck-Spüllanzen, die durch die Kanalsschächte in den Kanal eingesetzt werden. Mit hohem Wasserdruck werden Ablagerungen aus Fett und Sand beseitigt.

Was passiert bei der Hochdruck-Kanalreinigung?

Bei der Hochdruck-Kanalreinigung wird ein Schlauch in die Kanalisation eingeführt und mit Wasserdruck, welcher aus einer Reinigungsdüse austritt, durch den Kanal vorangetrieben. Am anderen Schacht angekommen, wird der Schlauch per Motorwinde zurückgezogen. Im Kanal befindliche Ablagerungen werden dadurch herausgespült und aus dem Kanal entfernt. Dieser Vorgang erzeugt im Bereich vor der Düse einen Unterdruck und hinter der Düse (zum Spülwagen hin) einen Überdruck.

Der entstandene Druck wird zum größten Teil durch den Luftaustausch in den Straßenschächten ausgeglichen. Der restliche Druck drückt in bzw. saugt aus den angeschlossenen Hausanschlussleitungen.

Sind die sanitären Anlagen fachgerecht ausgeführt und in einem ordnungsgemäßen Zustand, ist hier der Druckausgleich durch den Revisionsschacht (Kontrollschacht auf dem Grundstück) und durch die Dachentlüftung gewährleistet. Der verbleibende restliche Druck kann durch angeschlossene Lüftungsleitungen der Hausinstallationen entweichen.

Soweit der Normalfall.

Wenn die Toilette unfreiwillig zur Dusche wird

Treten während einer Kanalspülung Störungen in den eigenen sanitären Anlagen auf, können verschiedene Gründe dafür verantwortlich sein. Die häufigsten Probleme sind der Austritt von Wasser aus der Toilette, Geruchsbelästigung nach einer Kanalspülung oder Wasseraustritt aus dem Geruchsverschluss.

Aufgrund verschiedener Ursachen können nun folgende Ereignisse durch die Kanalspülung ausgelöst werden.

1. ...durch den Geruchsverschluss der Toilette, Dusche, etc. war ein beunruhigendes Rauschen zu hören...

In diesem Fall brauchen Sie sich nicht weiter zu sorgen. Im Gegenteil, Sie können sicher sein, dass lhre Hausleitung frei von Verstopfungen ist und sich in einem ordnungsgemäßen Zustand befindet.

2. ...Wasser ist aus dem Geruchsverschluss ausgetreten...

Das lässt darauf schließen, dass sich lhre Dachentlüftung und / oder Ihr Revisionsschacht in einem nicht ordnungsgemäßen Zustand befindet, überprüfen Sie daher zunächst lhre Anlagen. Holen Sie sich ggf. Rat bei lhrem Installateur. Überprüfen Sie, ob Ihr Revisionsschacht auch wirklich frei und nicht unter Flur liegt (z. B. überpflastert wurde), und dass der Schachtdeckel nicht durch Folien oder ähnliches verschlossen wurde. Ist lhre Dachentlüftung in Ordnung, vergewissern Sie sich, dass auch alle Becken an die Dachentlüftung angeschlossen sind, insbesondere, wenn das Ereignis nur an einer Stelle (z. B. in der Gästetoilette) aufgetreten ist. Bei nachträglich angeschlossenen Sanitäranlagen ist dies der häufigste Grund.

Nachträgliche Entlüftung
Sollten sanitäre Anlagen wie beispielsweise das Gäste-WC im Erdgeschoss nicht über eine Lüftungsleitung verfügen, kann ein zusätzlicher Druckausgleich über den vorhandenen Grenzkontrollschacht erfolgen. Hierzu ist dieser bis auf Geländeniveau hochzuziehen und mit einer gelöcherten Abdeckung zu verschließen. Ob man diese Art der nachträglichen Entlüftungshilfe wählt, hängt von der Lage des Schachtes ab.

3. ...nach der Kanalspülung macht sich ein übler Geruch bemerkbar...

In diesem Fall konnte der Unterdruck nicht ausgeglichen werden. Dabei wurde das Wasser des Geruchsverschlusses ganz oder teilweise herausgesaugt. Dadurch kann nun die Kanalatmosphäre ungehindert in lhre sanitären Anlagen einströmen. Um die Geruchsbelästigung zu unterbinden, lässt man Wasser in Waschbecken und Badewanne laufen und betätigt die Toilettenspülung. Dadurch wird der Geruchsverschluss wieder geschlossen und es kann keine weitere Kanalluft eintreten. Auch hier gilt die Ursachenbeschreibung wie im vorhergehenden Fall. Dies gilt übrigens auch, wenn Sie öfters Geruchsprobleme im Hause haben. Bei Badewannen, z. B. die sehr selten benutzt werden, lassen Sie einfach wieder Wasser nachlaufen.

4. ...aus der Toilette ist Wasser mit Fäkalien ausgetreten...

In diesem Fall hat in lhrem Sanitärsystem bereits vor der Spülung eine schwere Störung vorgelegen. In einem ordnungsgemäß funktionierenden Entwässerungssystem werden durch die Toilettenspülung die Fäkalien direkt durch die Fall- bzw. Grundleitung in das Hauptkanalsystem gespült. D. h. in den häuslichen Entwässerungsleitungen dürfen sich keine Fäkalien befinden. Sollten dennoch Fäkalien aus Ihrer Toilette in das Badezimmer gedrückt worden sein, so müssen sich diese in lhrem System bereits angesammelt haben, also eine Verstopfung vorgelegen haben.

5. ...kann es sein, dass der Spülschlauch fälschlich in mein Haussystem gelaufen ist...

Nein, das ist äußerst unwahrscheinlich. Aber angenommen es wäre tatsächlich der Fall gewesen. Dann wäre lediglich aus Ihren Geruchsverschlüssen das Wasser herausgesaugt worden, denn vor der Düse entsteht wie o. a. ein Unterdruck. Es kann nichts herausgedrückt worden sein.

6. ...Können die Fäkalien aus dem Hauptkanal in meine Leitungen hineingedrückt worden sein?...

Nein, das ist nicht möglich. Wenn nach einer Kanalspülung Fäkalien das Bad verunreinigen, stammen diese in der Regel aus dem eigenen Leitungssystem. Es werden fast nie Abwässer von außen ins Haus hineingedrückt, da sich in den Hauptkanälen zu wenig Abwasser befindet, um ein Haussystem zu fluten. Zum anderen besteht das Abwasser in den Kanälen hauptsächlich wirklich aus Wasser. Entgegen der allgemeinen Vorstellung sind Fäkalien nur der geringste Anteil am Abwasser. Starke Verschmutzungen im Bad sind ein deutlicher Hinweis auf stark verengte und verstopfte Rohrleitungen im eigenen Haus.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Beschreibungen einen Anhaltspunkt zur Fehlersuche gegeben zu haben.

Bitte sorgen Sie vor allem dafür, dass Ihr Revisionsschacht offenliegt und nicht verdeckt unter dem Erdreich oder unter dem Pflaster.

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